„Der neue Fuchsbau“ oder „Schwabing ist größer als du denkst“

Füchse leben in allen Regionen dieser Erde. Mindestens 15 Arten sind bekannt – nur zwei davon kommen in Deutschland in freier Wildbahn vor: der Rotfuchs und die Fuchsdesignerin. Der Rotfuchs lebt in einem unterirdischen Bau, bevorzugt in den ausgedehnten Wäldern im Süden der Republik und traut sich nur selten in dicht besiedelte Gebiete. Er lebt dort von Kaninchen und Feldmäusen. Ständig ist er von allerlei Gefahren bedroht, muss gegen Wölfe, Jäger und den Fuchsbandwurm kämpfen. Seinen Fuchsbau muß er täglich pflegen. Das ist – vor allem im Winter – ein mühseliges und unbequemes Leben.

Ein bisschen Schwabing in der Maxvorstadt: glänzendes Kopfsteinpflaster, auf dem schon Thomast hätte wandeln können.
Ein bisschen Schwabing in der Maxvorstadt: Glänzendes Kopfsteinpflaster auf dem Weg in den neuen Fuchsbau.

Die Fuchsdesignerin dagegen mag es kuschelig urban. Ihr Vorkommen war deshalb bisher endemisch auf München Schwabing begrenzt. Dort, in der Ursulastraße hauste die Füchsin fünf Jahre Lang in einem schicken Ladenbüro zusammen mit unterschiedlichen aber zumeist kreativen Spezies. In diesem Winter, genauer am 4. März 2017, verließ sie – aus Gründen – ihren angestammten Bau und verlagerte Ihr Revier in die Amalienstraße 15, exakt 2.045 Meter entfernt, nahe Odeonsplatz. Dort, inmitten von Galerien, Restaurants und Cafés, nahe dem Odeonsplatz ist sie nun zuhause. Die vorliegende Fellstudie soll klären, wie das möglich war.

Warum Maxvorstadt auch ein bisschen Schwabing ist

Was treibt den Schwabinger Fuchs zu einer solch radikalen Wanderung – in ein anderes Stadtteil? Aktuelle, bislang jedoch unveröffentlichte historische Studien konnten dieses untypische Verhalten erklären: Es ist nämlich ein Jahrhunderte alter Irrtum, dass Schwabing und die Maxvorstadt formal getrennte Stadtviertel Münchens sind. Beide Stadtteile gehören – emotional wie auch städtebaulich – zusammen. Und, ja, wer einmal die Türken- oder die Amalienstraße nach Beute durchstreift hat, wird sich wie mitten in Schwabing gefühlt haben.

So schaut es aus: der neue Fuchsbau in der Gartenvilla.
So schaut es aus: der neue Fuchsbau in der Gartenvilla.

Und reicht nicht sogar die von der Süddeutschen Zeitung lobbesungene Hohenzollernstraße nicht sogar bis in die Maxvorstadt? Waren die Protagonisten der Schwabinger Boheme (Langhans, Obermaier etc) nicht eigentlich die etwas lauteren Geschwister der literarischen Elite rund um das Galerie-Viertel in Steinwurfnähe zur Pinakothek und Universität? Thomas Mann hat in der Amalienstraße die Buddenbrooks fertig geschrieben! Rainer Werner Fassbinder hat dort seine Karriere begonnen!

Der Rotfuchs wäre neidisch

Wie auch immer: Die Füchsin domiziliert nun im ersten, obersten Stock einer italienischen Villa, mitten im Grünen, zurückgesetzt und deshalb angenehm ruhig. Eine komfortable Lebensform für einen Fuchs – und weitaus gefahrloser und bequemer als es der naturgestresste Rotfuchs je erreichen wird. Was schreibt die Süddeutsche zur Amalienstraße? „Politiker, Komiker, ein Widerstandskämpfer und jetzt die Grafikfüchsin: Die bewegte Vergangenheit der Amalienstraße mündet in einer sprichwörtlich großartig designten Gegenwart.“ Und wer kennt nicht das unvergessliche Hörspiel von Gerhard Polt „Der Fuchs aus der Amalienstraße“?

Im Fuchsbau: kuschelig und modern. Leider funktioniert das Telefon noch nicht...
Im Fuchsbau: kuschelig und modern. Leider zickt das Telefon noch heftig.

Selbstverständlich ist die spätklassizistische Rückbauvilla mit zweigeschossigem Walmdach mit Mezzanin und Erker schon seit Jahren besiedelt mit interessanten Spezies verschiedener Kreativ-Berufe: Ihren Bau teilt sich die Füchsin nun mit einer malerischen Künstlerin, einem jazzigen Cellolist und zwei Edel-Uhren-Brokern. Die Basis des Baus bewohnen ein Rudel Architekten, in Rufweite befinden verschiedene Künstler-Horste, Antiquariate, Galerien und eine Pfotenpflegerin. Also alles, was ein domestizierter Grafikfuchs so braucht.

Nun denn: Die Füchsin hat den Bau gewechselt. Und sie freut sich über freundliche, artgerechte Kontaktaufnahme!

OBACHT: Das neue Telefon funktioniert noch nicht so richtig. Aber du findest sicherlich einen Weg, die Füchsin zu erreichen…